Feuerwehr Ratingen
18.09.09 Einweihung der neuen Hauptfeuer- und Rettungswache

Fest mit Gästen aus aller Welt

Originaltext der extRheinischen Post:

Zur Einweihung der neuen Hauptfeuer- und Rettungswache gab es einen großen Festakt. Mit dabei waren Delegationen der Ratinger Partnerstädte. Bürgermeister Harald Birkenkamp: "Großer Tag für Ratingen."

Die Welt zu Gast am Voisweg: Dort steht die 18 Millionen Euro teure Hauptfeuer- und Rettungswache, die gestern offiziell von Feuerwehrseelsorger Jürgen Draht eingeweiht wurde. Wie bedeutsam dieses Bauwerk für Ratingen ist, belegt allein schon der Blick auf die Gästeliste. Es kamen etliche Delegationen der Partnerstädte, zum Beispiel aus Wuxi (China), Gagarin (Russland) und Kokkola (Finnland). Zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kultur und anderen Bereichen wohnten dem Festakt bei. Feuerwehrchef René Schubert betonte, dass die Truppe aus hauptberuflichen und freiwilligen Kräften am neuen Standort heimisch geworden sei. Bürgermeister Harald Birkenkamp ergänzte, dass die neue Wache ein "zweites Zuhause" für die Wehr sei. Die Politik habe dieses Projekt nach langem Vorlauf einstimmig auf den Weg gebracht, erklärte der Verwaltungschef. "Dies war eine dringende Notwendigkeit", meinte Birkenkamp.
Ralf-Jörg Hohloch, der Chef der Freiburger Feuerwehr und Vorgänger von Schubert, freute sich über die Rückkehr nach Ratingen und das Bauwerk. Hohloch gehörte zu den treibenden Kräften hinter diesem Projekt. In Freiburg steht ihm nun Ähnliches bevor. Dort investiert die Stadt rund 25 Millionen Euro. 15 000 Einsätze gibt es pro Jahr für die Ratinger Feuerwehr, die auf optimale Arbeitsbedingungen angewiesen ist.

Architekt Josef Knipping untermauerte, dass die neue Hauptfeuer- und Rettungswache weitaus mehr sei als ein blanker Funktionsbau. Die Wache sei ein "sozialer Ort, an dem Menschen leben und arbeiten". Funktionsgebäude hätten gemeinhin den Ruf, anonyme Kisten zu sein. Davon könne mit Blick auf das Ratinger Projekt überhaupt keine Rede sein, unterstrich Knipping. Es handele sich vielmehr um ein "Kunststück in der Stadt". Überhaupt: Es gebe einen Trend, wonach "sich die Städte wieder nach innen entwickeln". Botschaft: Die neue, hochmoderne Wache mit allabendlich illuminiertem Schlauchturm hat das Zeug zum Wahrzeichen. Wer sich dafür interessiert, der sollte am morgigen Tag der offenen Tür vorbeischauen. Applaus für besonderen Einsatz gab es für Kathrin Stommel (Querflöte) und Bastian Hillebrand (Violine). Die Künstler der Musikschule sorgten für den passenden Rahmen.

Feuerwehrchef René Schubert konnte sich über einen gelungenen und vor allem angemessenen Festakt freuen. Die Wehr hat ihren festen Platz in der Stadt, die Arbeit der Retter gilt als höchst anerkannt – auch über die Grenzen Ratingens hinaus.

Bei all der Freude über die neue Hauptfeuer- und Rettungswache vergaß Schubert in seiner Rede aber nicht die Angehörigen und Freunde, die der Truppe angesichts der Vorbereitungen und Planungen den Rücken frei gehalten haben. Ein feiner Zug. (kle)
















Bilder durch Anklicken vergrößern.

Rede zur Einweihung von Pfarrer Jürgen Draht, Fachberater Notfallseelsorge:

Zur Einweihung der neuen Hauptfeuer- und Rettungswache:

Im 121. Psalm heißt es „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“ Und weiter: „Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht. Siehe der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.“

Ich habe gelesen, dass die Polizei in Israel diesen Vers „Der Hüter Israels schläft und schlummert nicht“ auf ihre Einsatzwagen aufgedruckt hat. Ob es nun Ganoven abschrecken oder Menschen Mut machen soll, auf jeden Fall zeugt es von einem guten Selbstverständnis, gleichsam als verlängerter Arm Gottes für die Mitmenschen im Einsatz zu sein. Ich habe mir vorgestellt, wie es wäre, wenn bei uns auf jedem Feuerwehrfahrzeug und jedem Rettungsfahrzeug stünde: „Der dich behütet, schläft nicht.“

Oder oben am Schlauchturm der neuen Feuerwache, der nachts so wunderschön beleuchtet ist: „Der dich behütet, schläft nicht.“ Natürlich verbirgt sich da auch ein wenig Selbstironie, auf jeden Fall aber eine tiefe Wahrheit. Es heißt bei Kurt Marti: „Gott ist ein Tätigkeitswort.“ Wo immer Menschen haupt- oder ehrenamtlich ihren Mitmenschen zur Hilfe kommen, in tiefer Not zur Seite stehen, erschaffen sie die Wirklichkeit, die Gott in seinem Segen verspricht: dass wir vor Unfall und Gefahr bewahrt werden, dass wir in Notsituationen Beistand und Hilfe erfahren, dass Schaden an Hab und Gut, aber auch an Leib und Seele von uns allen Menschen abgewendet wird.

Feuerwehr ist also ein Teil des Segensstromes, mit dem Gott die Welt erhält und bewahrt. Nicht allein und nicht der einzige, aber ein Teil. Ihr Feuerwehrmänner und -frauen in Ratingen seid in Eurem Tun Mitarbeiter Gottes. In der Bibel wird von den Mitarbeitern Gottes berichtet, dass sie es oft sehr schwer haben.

Sie führen kein einfaches Leben und kommen oft wegen Ihres Dienstes in Konflikte. Aber in allen Schwierigkeiten und besonders an den Abgründen des Lebens wissen sie sich getragen und gehalten von Gott. Und ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man bei den Einsätzen bei der Feuerwehr und im Rettungsdienst öfter an solchen Abgründen des Lebens steht. Es gibt keine himmlische Lebensversicherung, aber wer den Segen Gottes an andere weitervermittelt, der erfährt auch selbst Segen, das ist eine alte biblische Erfahrung: „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein.“, spricht Gott zu Abraham und zu allen Menschen, die seinen Segen weiterreichen. Und deshalb gilt das ganz gewiss auch für die neue Hauptfeuer- und Rettungswache, für die Frauen und Männer, die darin arbeiten und die Menschen in unserer Stadt.

Und, liebe Einwohner Ratingens, wenn Sie nachts hinaufschauen zu dem wundeschön beleuchteten Schlauchturm – wenn Sie lange genug schauen – dann sehen Sie vielleicht, dass darüber steht: „Der dich behütet, schläft nicht.“




Bild durch Anklicken vergrößern