Feuerwehr Ratingen
Fahrzeuggeschichte

Die Fahrzeuge der Feuerwehr Ratingen

Bis Ratingen 1975 durch die Gebietsreformen zur heutigen Stadt Ratingen mit rund 92000 Einwohnern wurde, gab es mehrere eigenständige Feuerwehren, die zum einen der Stadt Ratingen angehörten und zum anderen den damaligen Ämtern Angerland und Hubbelrath. Zum Ratinger Stadtgebiet zählten bis Ende 1974 die Feuerwehr-Standorte in Ratingen-Mitte und Tiefenbroich, zum Amt Angerland gehörten die Standorte Lintorf, Breitscheid, Hösel, Eggerscheidt. Homberg und Schwarzbach gehörten dem Amt Hubbelrath an.

Die ersten Fahrzeuge


Fahrzeuge 1939


1926 beschaffte die Stadt Ratingen einen Straßensprengwagen von der ortsansässigen Firma DAAG (Deutsche Lastautomobil AG), der von der Feuerwehr bei Bedarf mitgenutzt wurde. Der Sprengwagen hatte eine FP 8 und einen angeblich 5000 l großen Wassertank. Da DAAG zu diesem Zeitpunkt aber nur Fahrzeuge mit maximal 5 t Nutzlast baute, war der Tank vermutlich etwas kleiner.

Das erste richtige, der Feuerwehr gehörende Fahrzeug, konnte jedoch erst 1934 in Dienst gestellt werden. Von der Firma Keramag wurde eine ehemaliger Direktionswagen Benz 16/50 übernommen, der selbst zum Mannschaftswagen umgebaut wurde. Als Pumpe diente eine in einem selbstgebauten Anhänger mitgeführte TS.

Das erste richtige Löschfahrzeug wurde 1939 beschafft. Die KS 8 (Kraftfahrspritze), wurde von Metz auf einem MB LO 2750 aufgebaut und war ein Einzelstück. Da die Feuerwehr zu diesem Zeitpunkt wie damals üblich als Feuerlöschpolizei der Ordnungspolizei angegliedert war, wurde das Fahrzeug in Polizeigrün ausgeliefert. Auch der Mannschaftswagen wurde grün umlackiert. 1940 wurde der Feuerwehr ein älterer Chevrolet Mannschaftswagen zugeteilt, der aber 1945 bereits wieder konfisziert wurde.

In den anderen Löschzügen wurden vor und während des Krieges ebenfalls die ersten Löschfahrzeuge beschafft. Die Standorte Lintorf und Homberg bekamen jeweils ein LLG (Leichtes Löschgruppenfahrzeug), die Standorte Hösel und Schwarzbach konnten ebenfalls gebrauchte PKW in Dienst stellen. Hösel bekam von der Firma Henkel, deren Eigner in Hösel wohnte, ein gebrauchtes Fahrzeug der Werkfeuerwehr geschenkt.

Wiederaufbau

Nach dem Krieg war an neue Fahrzeuge nicht zu denken, und so mußten die Feuerwehren improvisieren um einigermaßen mobil zu bleiben. So wurden in den ersten Nachkriegsjahren diverse Gebrauchtfahrzeuge beschafft, die selbst wieder fahrfähig gemacht oder für Feuerwehrzwecke umgebaut wurden. Die ehemals grün lackierten Fahrzeuge wurden sobald es möglich war wieder in das traditionelle rot umlackiert. Von der BF Düsseldorf wurde ein zwei Jahre altes LF 15 übernommen, das allerdings durch die am Ende des Krieges vorherrschende Mangelwirtschaft einen Aufbau aus Hartfaserplatten besaß und nicht allzu beliebt war.

In Ratingen Mitte wurde ein alter Steyr-Kübelwagen der Wehrmacht zum Mannschafts- und Gerätewagen umgebaut. Da das Fahrzeug eine Gruppenkabine hatte, wurde es zwar intern als LF 8 bezeichnet, hatte aber keine festeingebaute Pumpe. Vom damaligen Gerätewart wurde der Steyr später mit einem festen Dach und einem Heckseitigen Geräteraum versehen. Im Heck des Fahrzeugs war eine Seilwinde eingebaut.

In Tiefenbroich konnte ein gebrauchtes LLG in Dienst gestellt werden, das aber 1952 an den ursprünglichen Besitzer, die FF Alsdorf, zurückgegeben werden mußte. Erst 1963 wurde dort wieder ein identisches Fahrzeug in Dienst gestellt, das aus zwei alten Fahrzeugen der FF Langenberg und WF Mannesmann Rath zusammengebaut wurde.

Auch die erste Drehleiter wurde 1947 beschafft. Von der FF Neuss wurde eine DL 26 von Metz auf Mercedes-Benz LD 2-Fahrgestell von 1929 mit Holzleitersatz beschafft. Diese DL 26 wurde 1963 durch eine ebenfalls von der FF Neuss übernommene DL 26 von 1939 ersetzt.

Das erste neue Fahrzeug im Ratinger Stadtgebiet wurde erst 1956 in Dienst gestellt, ein TLF 16, das allerdings unüblicherweise keinen Allradantrieb besaß.

Nach dem Krieg wurde die Feuerwehr von den britischen Besatzungsstreitkräften ebenfalls offiziell mit dem Krankentransport betraut. Hierzu diente ein vom DRK übernommener Horch 850, der aber bereits seit 1940 von einem Feuerwehrmann und einem Helfer des DRK besetzt wurde. Ab 1946 wurde der Horch durch einen gebrauchten Hansa-Lloyd KTW ergänzt. Bereits 1948 konnte ein Neufahrzeug beschafft werden. Der MB 170 S-V, mit einem Aufbau aus Pressspanplatten, konnte schon 1952 durch einen Tempo Matador ergänzt werden, der den Horch ablöste.



Fahrzeuge Ratingen-Mitte 1960

Erweiterung des Fahrzeugparks

In den sechziger und frühen siebziger Jahren wurde der Fahrzeugpark der Feuerwehr Ratingen stetig modernisiert und erweitert. Dies war auch dringend geboten, da die Vorkriegsfahrzeuge nicht mehr dem Stand der Technik entsprachen und der Zahn der Zeit an ihnen zu nagen begann.

In Ratingen-Mitte wurden in dieser Zeit ein LF 8-schwer, ein LF 16, ein TLF 16, eine DLK 30, ein SW 2000, ein GW 2, drei KdoW und mehrere KTW beschafft. Der Löschzug Tiefenbroich erhielt ein LF 8.

In den Gemeinden der Ämter Angerland und Hubbelrath stellten Lintorf ein LF 8, ein TLF 16 und ein TSF in Dienst, welches später zum GW-Öl umgebaut wurde. 1972 bekam Lintorf die erste DLK 30, da zu diesem Zeitpunkt mehrere Hochhäuser im Ort entstanden.

Breitscheid bekam ein LF 16, TLF 16 und ein TSF welches ebenfalls später zum GW-Öl umgebaut wurde. Die Standorte in Hösel, Eggerscheidt, Homberg und Schwarzbach erhielten jeweils ein LF 8. Hösel bekam Anfang der siebziger Jahre ein neues LF 8 sowie ein TLF 16. Homberg erhielt kurz vor der Gebietsreform noch ein LF 16.

Der Rettungsdienst in Amt Angerland wurde von einem Taxiunternehmen durchgeführt, dem ein KTW zur Verfügung stand, welcher später von der Stadt übernommen wurde.



Fahrzeuge Mitte und Tiefenbroich 1972

Fahrzeuge 1975 bis 1999

Nach der Gebietsreform 1975 bestand der Fahrzeugpark der Feuerwehr Ratingen aus 31 Fahrzeugen. Von diesen Fahrzeugen ist heute keines mehr im Dienst. Wegen dem Anwachsen der Stadt Ratingen und neuen Aufgaben unter anderem im Bereich des Umweltschutzes/Gefahrgut ist der Fuhrpark auf heute über 50 Fahrzeuge angewachsen.

Für alle Standorte wurden zwischen 1975 und 2000 nach und nach verschiedene Löschgruppenfahrzeugen der Größen LF 8, LF 16 und LF 16-TS beschafft. Das erste LF 16/12 mit 1600 l-Wassertank und kombinierter Normal-/Hochdruckpumpe wurde 1994 für die Hauptamtliche Wache beschafft.

Da Ratingen von insgesamt vier Autobahnen durchkreuzt wird, einer Einflugschneise, mehreren Eisenbahnstrecken sowie großen Waldgebieten, wurde 1980 das erste TLF 24/50 beschafft.

1994 wurde das letzte alte TLF 16 ausgemustert, so daß das einzige weitere Tanklöschfahrzeug für mehrere Jahre, neben dem 1980 beschafften TLF 24/50, ein 1986 beschafftes TLF 8/18 auf Unimog war. Dieses TLF 8 wurde speziell für die Waldbrandbekämpfung ausgestattet.

Der 1974 beschaffte SW 2000 wurde 1995 durch ein Katastrophenschutz-Fahrzeug ersetzt.

Die Drehleitern in Mitte und Lintorf wurden 1990 und 1996 durch neue Fahrzeuge ersetzt.

Neue Rüstwagen wurden 1985 (RW 2) und 1988 (RW 1 Katastrophenschutz) beschafft.

1978 wurde der erste größere GW-Öl beschafft, der auch Aufgaben eines Kleinalarmfahrzeuges übernimmt. Dieser wurde nach einem Totalschaden durch Unfall in 1993 ersetzt.

1987 und 1990 wurde durch die Indienststellung eines GW-Mess und eines GW-G 2 die Ausrüstung im Bereich Gefährliche Stoffe und Güter ergänzt.

Durch die Auflösung des Katastrophenschutz-ABC-Zuges 1995 übernahm die Feuerwehr Ratingen deren Fahrzeuge, ein DMF und zwei ErkKw.

Für die Wehrführung wurden im Laufe der Jahre mehrere KdoW bzw. ELW 1 beschafft.

Für die Einsatzleitung bei größeren Schadenslagen wurde 1984 ein ehemaliges Schau- und Verkaufsfahrzeug der Firma Calor Emag in eigener Werkstatt ausgebaut.

Im Rettungsdienst wurde 1975 der erste RTW in Dienst gestellt und 1978 wurde der Notarztdienst im Rendezvousverfahren mit einem NEF aufgenommen.



Fahrzeuge 1975



Fahrzeuge 1981

Fahrzeuge von 2000 bis heute

Das erste neue Fahrzeug welches Anfang dieses Jahrtausends beschafft wurde war ein neues TLF 24/50. Als Besonderheit besitzt das Fahrzeug eine 250 kg-Pulveranlage.

Ebenfalls kam in diesem Jahr ein LKW-Dekon-P des Katastrophenschutzes hinzu der den Gefahrgutbereich ergänzte.

2000 und 2001 wurden vier LF 16 beschafft, die ältere Fahrzeuge ersetzten, welche nicht mehr dem Stand der Technik entsprachen und teilweise größere technische Mängel aufwiesen. Alle Fahrzeuge wurden mehr oder weniger den örtlichen Gegebenheiten angepasst. So hat das LF 16 der hauptamtlichen Wache z.B. eine FP 24/8 mit Hochdruckteil und eine umfangreiche Zusatzbeladung. Das LF 16 des Löschzugs Tiefenbroich besaß einen 1900 l-Wassertank und bis 2008 anstelle eines hydraulischen Rettungssatzes einen Wassersauger. Dieser wurde dann ausgebaut und gegen einen Rettungssatz getauscht.

Durch die Einrichtung eines B-Dienstes wurde ein entsprechendes Fahrzeug hierfür nötig. Ein diesem Zweck voll entsprechender ELW 1 wurde 2001 beschafft und wird vom B-Dienst mit nach Hause genommen. Vorher wurde ein VW Passat genutzt, der allerdings für eine adäquate Einsatzleitung vor Ort zu klein war.

Auch der Vorbeugende Brandschutz wurde 2001 erstmals mit einem Dienstfahrzeug ausgestattet

In 2003 und 2005 wurden drei TLF 16 beschafft, die alle mit 3000 l-Wassertanks und je 100 l Class A- und AFFF-Schaummittel ausgerüstet sind. Das TLF 16 des Standortes Mitte ergänzt durch seine Beladung den Gefahrgutzug.

Das inzwischen dritte Exemplar eines GW-Öl wurde 2005 in Dienst gestellt. Dieser neue GW-Öl besitzt erstmalig einen festen Kofferaufbau, während die Vorgänger einen Pritschen/Planen-Aufbau besaßen.

Das Jahr 2005 markiert für Ratingen den Einstieg in das Wechselladersystem mit einem gebrauchten WLF. Durch dieses System ist es möglich eher seltener benötigtes Material und Geräte in speziellen Abrollbehältern zu bevorraten, für die ein separates Fahrzeug zu teuer wäre. Vom Land NRW wurde der Feuerwehr Ratingen ein Abrollbehälter zum „Massenanfall von Verletzten“ (MANV) zur Verfügung gestellt, der auch überörtlich eingesetzt wird. Zusätzlich wurde eine gebrauchte Mulde für allgemeine Transportaufgaben beschafft. Ein gebrauchter AB der BF Düsseldorf wurde 2006 beschafft und in der eigenen Werkstatt zum AB-Jugendfeuerwehr umgebaut. Ein zweites, ebenfalls gebrauchtes, Trägerfahrzeug wurde Ende 2008 in Dienst genommen.

Ein neuer, dem heutigen Stand der Technik entsprechender ELW 2 wurde im März 2006 in Dienst gestellt. Dieser wurde durch den Kreis Mettmann mitfinanziert und kann dementsprechend auch Kreisweit eingesetzt werden.

Wegen bisher unzureichender Transportkapazitäten für die Mannschaft und Jugendfeuerwehr wurden in den letzten Jahren mehrere MTF beschafft, die teilweise auch die Warnung der Bevölkerung bei Großschadenslagen übernehmen können. Für allgemeine Transportaufgaben wurden in den letzten Jahrzehnten immer wieder Kleinfahrzeuge mit Pritsche beschafft.

Das erste Hilfeleistungslöschfahrzeug HLF 20/16 konnte 2006 in Dienst gestellt werden.

Im Jahre 2008 wurde der alte RW 2 durch einen neuen RW ersetzt. Dieser war anfangs als Besonderheit mit zwei Verkehrssicherungshaspeln am Heck ausgestattet.

Im Interschutz-Jahr 2010 wurde der Fuhrpark der Feuerwehr Ratingen durch eine ganze Reihe neuer Fahrzeuge modernisiert. Anfang des Jahres wurden zwei ELW 1 in Dienst gestellt die sowohl den bisherigen ELW 1 als auch den GW-Mess ersetzten. Ein neues HLF 20 wurde im Sommer in Dienst gestellt. Dabei wurden zusammen mit dem Hersteller eine ganze Reihe neuer Ideen umgesetzt, wie die mittig eingebaute Pumpe, Wassertank ganz vorne im Aufbau oder Rucksack-Lösungen für die Atemschutzgeräte in der Kabine. Ein multifunktional einsetzbarer Teleskoplader wurde ebenfalls in 2010 beschafft. Alle diese Fahrzeuge wurden von den Herstellern auf der zuvor genannten Messe ausgestellt. Zudem konnte eine neue Drehleiter beschafft werden.

In den Jahren 2009 bis 2011 wurde das Abrollbehältersystem vervollständigt. 5 Abrollbehälter wurden selbst beschafft, zwei vom Kreis in Ratingen stationiert und einer wurde in Zusammenarbeit mit den Stadtwerken in Dienst gestellt.

Da die Rettungsdienstfahrzeuge die höchsten Kilometerleistungen haben, wurden sie in den vergangenen Jahren regelmäßig ausgetauscht. Heute stehen 4 KTW, 4 RTW und 1 NEF zur Verfügung. 2008 wurde ein neues Konzept im Rettungsdienst eingeführt. Seitdem werden vollausgestattete RTW zum Krankentransport eingesetzt. Diese Fahrzeuge werden zwar als KTW geführt sind somit bei Bedarf und entsprechender Besatzung aber auch als RTW einsetzbar.

Das äußere Erscheinungsbild der Ratinger Fahrzeuge hat sich in den letzten 10 Jahren grundlegend geändert. In den sechziger Jahren war das traditionelle Feuerwehrrot RAL 3000 mit schwarzen Kotflügeln und Stoßstangen der eher „unauffällige“ Standard. In den siebziger Jahren ging man dazu über Kotflügel und Stoßstangen weiß zu lackieren. Ebenfalls in den siebziger Jahren gingen viele Feuerwehren dazu über Fahrzeuge in Tagesleuchtrot RAL 3024 zu lackieren. Nachteile dieser sehr auffälligen Farbe waren aber höhere Kosten und ein unangenehmes Ausbleichen unter Einfluss der Sonneneinstrahlung. Ende der neunziger Jahre begann man auch in Deutschland mit der Beklebung von Fahrzeugen mit reflektierenden Folien. Das erste Fahrzeug das in Ratingen mit (nicht reflektierenden) gelben Folien beklebt wurde war das in 2000 beschaffte LF 16 für den LZ Breitscheid. In 2005 folgte für einige Fahrzeuge eine Konturmarkierung mit reflektierenden Folien. Das in 2006 beschaffte HLF 20/16 erhielt als erstes Fahrzeug ein neues Design mit gelber Bauchbinde und den drei zum Markenzeichen gewordenen diagonalen gelben Streifen am Heck. Eine neue hochreflektierende Folie kam ab 2008 zum Einsatz, erstmals am AB-JF. Hier wurde auch zum ersten mal eine hochreflektierende Heckschraffur realisiert die in einigen anderen Ländern bereits seit langen zum Standard gehört. In Deutschland wurde dies erstmals in Ratingen eingeführt. Seit 2009 werden die ehemals weißen Teile an den Fahrzeugen gelb lackiert.

Zwei alte Fahrzeuge der Feuerwehr Ratingen existieren noch. ein LLG (LF 8) des Löschzugs Tiefenbroich und das erste in Mitte nach dem Krieg beschaffte TLF 16 auf MB LF 312 stehen heute im Feuerwehrmuseum Heiligenhaus und warten auf ihre Restaurierung.

Heute besteht der Fuhrpark der Feuerwehr Ratingen aus:

54 Fahrzeugen
10 Anhängern
10 Abrollbehältern

Insgesamt besaß die Feuerwehr Ratingen bis heute 168 Fahrzeuge, 34 Anhänger und 11 Abrollbehälter.